Es war einer dieser Momente, die man als ERP-Verantwortlicher nicht zweimal erleben möchte: Ein Proactive Quality Update (PQU) für Dynamics 365 Finance & Operations wurde auf unserer Testumgebung installiert – automatisch, planmäßig, völlig korrekt von Microsoft angekündigt. Nur: Keiner von uns hatte es auf dem Schirm.
Wie es dazu kam
Microsoft hat die Schlagzahl der Proactive Quality Updates spürbar erhöht. Was früher überschaubar war, ist heute ein dichter Takt aus Change-Cutoff-Terminen und Rollout-Fenstern – pro Version gleich mehrere PQU-Trains. Bei uns kam dann zusammen, was in vielen Projekten zusammenkommt: Urlaubszeit, eine Planung, die diesen Takt noch nicht verinnerlicht hatte, und Termine, die irgendwo in einer Microsoft-Learn-Tabelle standen statt dort, wo wir täglich hinschauen.
Das Update wurde also installiert, ohne dass wir unsere Tests vorher bewusst eingeplant hatten. Zum Glück „nur“ auf Test – aber Hand aufs Herz: Genau so beginnen die Geschichten, die später auf Produktion enden. Der eigentliche Fehler lag nicht bei Microsoft. Die Termine waren alle öffentlich dokumentiert. Sie waren nur nicht in unserem Blickfeld.
Die Idee: Termine dahin bringen, wo man ohnehin hinschaut
Meine Konsequenz war bewusst kein neues Prozess-Monster mit Checklisten und Erinnerungs-Mails. Sondern eine ganz einfache Frage: Wo schaue ich jeden Tag garantiert rein? In meinen Kalender. Also habe ich mir mit Claude einen PQU-Kalender gebaut – zunächst nur für mich, in meinem eigenen Outlook: alle Change-Cutoff-Termine und Rollout-Fenster als Kalendereinträge, automatisch als „Frei“ markiert, damit sie niemanden blockieren, aber immer sichtbar sind.
Der Effekt war sofort da: Updates sind keine abstrakten Tabellenzeilen mehr, sondern stehen neben Sprint-Terminen und Urlauben im selben Kalenderblatt. Planungslücken sieht man plötzlich auf einen Blick.
„Mach das doch öffentlich!“
Den entscheidenden Impuls gab dann ein Kollege: „Das ist doch für jedes D365-Projekt interessant – mach das öffentlich.“ Recht hatte er. Jedes Team, das Dynamics 365 Finance & Operations betreibt, hat exakt dasselbe Problem: Die PQU-Termine existieren, aber sie leben nicht im Alltag der Teams.
Vibe-Coding mit Claude Code: Von der Idee zur Azure Function
Aus dem persönlichen Outlook-Kalender wurde also ein kleines Produkt. Gemeinsam mit Claude Code habe ich eine Azure Function entwickelt – im besten Sinne „gevibecoded“: Ich beschreibe das Ziel, die KI schlägt Architektur und Code vor, wir iterieren, testen, deployen. Das Ergebnis:
- Eine Azure Function (Python) liest täglich die offizielle PQU-Terminübersicht von Microsoft Learn.
- Daraus entsteht eine ICS-Kalenderdatei mit allen Change-Cutoff-Terminen und Rollout-Fenstern – über 100 Termine, alle als „Frei“ markiert.
- Die Datei liegt öffentlich in Azure Blob Storage und aktualisiert sich jeden Tag automatisch – ändert Microsoft den Zeitplan, zieht der Kalender nach.
Ganz ohne Lerneffekte ging es natürlich nicht. Ausgerechnet Outlook – immerhin sprechen wir hier von einem Kalender für ein Microsoft-Produkt – war der strengste Prüfer: Der Import verweigert kommentarlos den ganzen Kalender, wenn auch nur ein ganztägiger Termin kein korrektes Enddatum hat, und mit webcal://-Links kann der Abo-Dialog auch nichts anfangen. Apple und Google? Denen war beides egal. Wieder etwas gelernt – und beides gefixt.
Das Ergebnis: Ein kostenloser PQU-Kalender für alle
Der Dynamics 365 PQU-Kalender ist jetzt öffentlich und kostenlos. Einmal abonniert, erscheinen alle PQU-Termine automatisch in Outlook, im Apple Kalender oder im Google Kalender – und bleiben dauerhaft aktuell, ohne dass man je wieder eine Microsoft-Learn-Tabelle abgleichen muss.
Was wir daraus mitnehmen
Erstens: Transparenz schlägt Disziplin. Kein Prozess der Welt ist so zuverlässig wie eine Information, die von selbst dort auftaucht, wo man ohnehin hinschaut. Zweitens: Mit KI-Werkzeugen wie Claude Code ist der Weg von „das nervt mich“ zu „das ist gelöst – und zwar für alle“ heute erstaunlich kurz. Was früher ein Wochenend-Projekt mit ungewissem Ausgang gewesen wäre, war hier ein Nachmittag mit Ergebnis in Produktion.
Und drittens, ganz ehrlich: Manchmal braucht es ein vergessenes Update, damit eine gute Idee entsteht.


